Dienstag, April 21, 2015

Der Lichtweg ist umkehrbar, aber nicht beliebig.

[Von Bastian]
Jeder Lichtweg lässt sich zurückverfolgen – eine Banalität der Physik. Wenn ich mit einer Taschenlampe einen Lichtpunkt auf der Wand erzeuge, lässt sich von diesem Lichtpunkt aus auch die Taschenlampe beleuchten, gleich wie viele Linsen und Spiegelungen dazwischen lagen: es geht auch rückwärts. Das Prinzip lässt sich noch ausweiten: würde ich in einem Raum, den eine Glühbirne beleuchtet, alle beschienenen Flächen zu Lichtquellen machen, die genau in Gegenrichtung strahlen, würden sie über alle Reflektionen letztlich genau den Glühdraht treffen und zum Glühen bringen. Das ist nachvollziehbar: das Licht in einem Raum beschreibt die Lichtquelle. Was natürlich nicht funktioniert: einen Raum irgendwie zu beleuchten und zu behaupten, das beschreibe die Lampe in der Mitte, die man abgeschaltet hat. Auch das ist nachvollziehbar. Wer das behauptet, hat das Prinzip nicht kapiert: der Lichtweg ist umkehrbar, aber nicht beliebig. Das Licht im Raum beschreibt die Lichtquelle natürlich nur, wenn es von ihr stammt. Fast schon peinlich, da überhaupt zu differenzieren, so klar ist das.

Warum wird dann aber in vielen Diskussionen sogar in der Kirche genau dieser Unsinn über das Licht der Welt verzapft? Denn nichts anderes ist der Versuch, die eigene Lebenswirklichkeit als Teil der Offenbarung zu nehmen, auch und besonders dann, wenn sie sich nicht dem Licht Christi aussetzt.
Da wird die persönliche Lebenssituation mit der persönlichen Erleuchtung betrachtet und das Ergebnis soll plötzlich den Willen Jesu beschreiben. Und da dieses Prinzip logischerweise über 7.000.000.000mal angewendet werden muss, mit über 7.000.000.000 unterschiedlichen Ergebnissen, definiert sich das Licht Christi plötzlich als allgemeines Funzeln, in dem angeblich eine große Vielfalt sichtbar wird, tatsächlich jedoch nur ein strukturloses Schimmern, weil ja alles leuchtet. Alles ist gleich und die Lichtquelle hat sich aufgelöst. Unmöglich, etwas zu erkennen und sich zu orientieren.

Nein, wenn ich das Licht Christi kennen lernen will, muss ich mich von ihm beleuchten lassen und nicht selbst leuchten. Dann gibt es beschienene Flächen und Schatten. Ich selbst werde sichtbar und das Licht wird klar und verständlich. Die Lebenssituation, beschienen vom Licht Christi, sagt dann wirklich etwas über ihn aus und gehört zur Offenbarung, weil sie auf ihn verweist. Wenn ich mich von Christus bescheinen lasse, erkenne ich mich und ihn. Wenn ich und alle anderen sich selbst bescheinen, erkenne ich nichts.
Der Glaube lehrt, was das Licht Christi ist und wo es leuchtet. Dabei geht es gar nicht sofort um richtig und falsch (das kommt erst viel später!), sondern erst einmal darum, dass ich etwas sehe. In diesem Licht erkenne ich meine Lebenswirklichkeit, die so für mich zur Offenbarung wird, weil Gott sie beleuchtet. Der trügerische Umkehrschluss, ich müsse selbst leuchten, damit so Gott offenbart werde, ist Unsinn (siehe oben).
Christus hat dazu aufgerufen, sich in Seinem Licht zu orientieren, anstatt allein zu bleiben: „Du aber folge mir nach!“ und nicht: „Du aber definiere dich selbst und bei der Gelegenheit gleich auch mich.“.

Montag, April 13, 2015

Die Kirche der Zukunft

[Von Bastian]
Alipius, Cicero und King Bear haben es bereits Beleuchtet. Ich möchte auch noch einen Gedanken beisteuern.

Was mir beim derzeit diskutierten Albtraum („Zukunftsvision“) auffällt: er ist ohne jeden Inhalt. Was dort beschrieben wird, ist nicht die Kirche, sondern die Wahrnehmung der Kirche durch andere. Was man an Strukturen sehen kann, was man von ihren Mitgliedern mitbekommt. Diese Kirche definiert sich durch ihre Außenwirkung. Der Inhalt wird nicht nur relativiert („…Gott, wie sie sagen.“), sondern regelrecht abgeschafft: „Da es keine konfessionellen Kirchen mehr gibt, achtet eine ökumenisch vereinte christliche Kirche darauf, dass ihre Kirchenzentren ein sehr vielfältiges Angebot bieten, um den unterschiedlichen Traditionen gerecht zu werden.
In der Ökumene geht es um die Wahrheit, die in Gott liegt, nicht um Traditionen, die mit einem bunten Angebot hinreichend integriert sind. Die Ökumene ist deshalb so schwierig, weil genau das eben nicht geht. Die Kirchenspaltung ist einerseits ein Skandal, aber andererseits ein Zeugnis: der Christ steht zu dem, was er von Gott erkannt hat. Mir ist jeder überzeugte Protestant als Diskussionspartner lieber, als jemand, der nicht versteht, dass es nicht um Menschliches, sondern um Gott geht. Lieber ringen auf einer letztlich gemeinsamen Basis in Jesus Christus, als Spiegelfechtereien mit einer Fassade ohne Inhalt.

Die ganze Vision ist damit für mich unlogisch. Sie funktioniert nicht. So dumm sind die Menschen nicht: sie suchen nach Inhalten, nicht nach Fassaden. Der Schreiber der Vision kaufe sich einfach einmal eine Autozeitschrift. Dort wird er finden: die Leute haben gern schicke und trendige Wagen, doch sie schauen, was die unter der Haube haben. Mit Außenwirkung pur verkauft man gar nichts, dafür macht man sich gründlich lächerlich, wenn man es versucht, wenn man nicht gar des Betrugs verdächtigt wird. Genauso wird niemand in eine Kirche gehen, weil die Kirche so besonders schick ist, sondern nur, weil man darin etwas findet: Gott.

Wir brauchen keine Kirche, in der die Mitglieder toll sind. Wir brauchen eine Kirche, die Gott erstrahlen lässt, nicht sich selbst. Wo der Glaube als gelebte Freundschaft mit Gott die höchste Qualifikation ist, höher als Management, Integrationsfähigkeit, Feierlichkeit, Schwungfülle und wie sie alle heißen. Eine Vision der Kirche für sich ist so sinnvoll wie eine Vision von Äpfeln ohne Apfelbaum, im naiven Glauben, dass man die ja organisieren, kaufen, präsentieren und appetitlich polieren kann.
Wir brauchen keine Visionäre, die uns gesellschaftlich erfolgreiche Zustände verkünden, sondern Menschen, die Gott schauen und IHN verkünden. Der Rest ist Beiwerk, das keine Vision lohnt.

Mittwoch, April 08, 2015

Bußgesinnung spontan formuliert

[Von Bastian]
Das schoss mir gestern so durch den Kopf: Schade, dass ich keinen Kasten Bier mit in den Himmel nehmen kann (wenn ich denn dort hin komme). Da mühen sich Christus, Maria, Schutzengel und etliche Heilige ab, mich auf dem richtigen Weg zu halten, und ich benehme mich derart daneben. Ich sollte denen vielleicht mal einen ausgeben...

Montag, April 06, 2015

Ostern in der Familie

[Von Bastian]
Aus aktuellem Anlass wieder hoch geholt.

So sieht das Trauerkreuz aus.

Bei uns in der Familie hat sich ein Brauch gehalten, den wir ursprünglich für unsere Kinder ins Leben riefen, als die noch im Vorschulalter waren: das Darstellen des Ostergeschehens durch ein Stoffkreuz. Das ergänzt seit Jahren für uns die Osterliturgie.

Am Gründonnerstag wird abends ein ca. DIN A5 großes schwarzes Kreuz aus Stoff auf dem Wohnzimmertisch ausgelegt. Die schwarze Farbe steht für die Leiden Jesu am Ölberg. Wir beten mit der Familie kurz am Kreuz.

Am Karfreitag wird das Kreuz mit roten Blütenblättern und Dornen "geschmückt". Wir haben ein kurzes Gebet im Gedenken an die Kreuzigung.

Am Karfreitag, am Abend, wird das Kreuz als Grab hergerichtet: jeder stellt eine Blume daneben.




So sieht das Auferstehungskreuz aus.


Am Ostersonntag wird das Kreuz
mit einem weiteren Kreuz überdeckt: dem Jubelkreuz. Es ist rot und golden und prächtig. Es wird so auf das Trauerkreuz gelegt, dass ein schmaler schwarzer Rand sichtbar bleibt: auch im Jubel wird nicht vergessen, dass Christus ihn uns durch sein Leiden erkauft hat und dass es die Grundlage unserer Freude ist.

Dazu wird alles mit Blumen geschmückt: unser Ostertisch ist knallbunt. Dabei bleiben die Grabesblumen der Trauer stehen, nur dass sie jetzt zu einem Teil der viel größeren Menge an Blumen der Freude geworden sind.

Wir haben eine kurze Familienandacht am Auerstehungskreuz.







Diese Darstellung hat den Kindern und uns so gut gefallen, dass sie inzwischen über 10 Jahre bei uns Brauch ist, auch wenn die Kinder längst alle Messdiener sind.
Die Idee ist von meiner Mutter.

Dienstag, März 31, 2015

Zölibatären-Quote!

[Von Bastian]
Irgendwo habe ich gelesen, dass in einer Behörde oder so künftig auch LSBTI vertreten sein soll. Leider habe ich den Kink nicht mehr. Jeder soll vertreten sein, niemand darf ausgegrenzt werden.
Zu einer vernünftigen beruflichen Qualifikation gehört heutzutage die Information, mit wem man ins Bett steigen möchte. Der Seiteneinstieg über die Quote ist zeitgemäß: für eine transsexuelle Veganerin mit Migrationshintergrund genügt wahrscheinlich künftig die mittlere Reife, wo ein verheirateter männlicher Deutscher einen Hochschulabschluss mit Auszeichnung braucht.
Was ich allerdings vermisse, ist die Quote für die, die mit niemandem ins Bett möchten. Die selbstbestimmt über ihre Sexualität entscheiden und zu dem Schluss kommen, dass sie einen Weg wählen, der ohne Sexualkontakte auskommt. Doch deren Lobby ist schwach.
Vielleicht sollte man etwas an der sprachlichen Vermittlung ändern? „Ich lebe enthaltsam“ klingt nach Einschränkung - „Ich bin zöli!“ dagegen wäre ein echtes Outing. Ziel muss sein, dass in jeder Regierung und in jedem Aufsichtsrat mindestens eine Person Priester, Nonne oder Mönch ist. Dem Land täte das gut.

Ergänzung: es ist der Fernsehrat des ZDF und hier ist der LINK.

Montag, März 30, 2015

Hypothesen allenthalben

[Von Bastian]
Glaubt man so mancher Diskussion, besteht eines der Hauptprobleme des Papstes darin, dass er sich missverständlich ausdrückt. Erstaunlicherweise fragt jedoch in den wenigsten der Debatten darüber jemand danach, was der Papst denn gemeint hat. Stattdessen wird analysiert, auf welche Weise jemand anderes es falsch verstehen könnte, wenn er es falsch verstehen will. Ein atheistischer Journalist zum Beispiel.
Das ist zwar ziemlich sinnlos, denn es ist doch klar, dass man alles falsch verstehen und wiedergeben kann, wenn man will und ein wenig zu schreiben versteht. Dennoch wird in dieser Richtung immer wieder eine Art Wasserdichtigkeit eingefordert. Zum Vergleich wird dann Benedikt XVI herangezogen, dessen Worte mindestens ebenso häufig falsch verstanden wurden wie die von Franziskus.
Nun ist natürlich nichts daran schlimm, wenn man versucht, durch eine klare Sprache den Inhalt präzise beim Hörer ankommen zu lassen – im Gegenteil. Doch Aussagen nicht danach zu beurteilen, was sie mir sagen, sondern danach, was ich denke, dass sie einem Dritten sagen könnten, wenn er das, was sie eigentlich mir sagen müssten (wenn sie richtig formuliert wären), nicht hören will, ist doch etwas von hinten durch die Brust ins Auge.
Hypothesen allenthalben. Es ist kompliziert, irgendwie…

Freitag, März 27, 2015

Der Papst, die Freude, die Lehre und ich

[Von Bastian]
Die Freude des Evangeliums sei der Prüfstein des Gesetzes, heißt es aus Rom. Dankenswerter Weise wird das verbreitet. Emotionen seien unzuverlässig, die Lehre der Kirche jedoch sei wahr und daher der wahre Quell der Freude, wird dem jedoch in den Kommentaren entgegen gehalten (LINK mit seinen Kommentaren). Dieser Widerspruch macht mich nachdenklich. Das merkwürdige daran ist doch, dass es gar keiner ist, aber dennoch so verstanden wird.

Von oberflächlichen Emotionen spricht Franziskus nirgends. Wenn aus der Lehre „wahre, echte Freude“ entspringt, ist es genau das, was er fordert: Freude, die aus dem Glauben erwächst. Komischerweise wird dem Papst unterstellt, er denke da anders.
An keiner Stelle wendet sich der Papst gegen die Lehre, im Gegenteil: er präzisiert, worauf sie hinaus läuft, auf die Freude nämlich, und er erkennt so den Baum an seinen Früchten.

Es scheint für viele schwer zu sein, hier mit dem Papst konform zu gehen. Viele scheinen darauf zu warten, dass er endlich die Dinge beim Namen nennt und mit dem Irrtum aufräumt, damit der Glaube wieder erstarken kann. Offenbar sind mit den beim Namen zu nennenden Dingen allerdings meist die Dinge gemeint, die man ohnehin schon selbst im Kopf hat. Das kenne ich von mir selbst: wie schön ist Bestätigung und wie aufreibend Ermahnung! Es ist schwer geworden, in Deutschland zu glauben. Es ist schwer geworden, treu zur Kirche zu stehen, wenn deren Lehre überall angegriffen wird. Ein wenig Rückenstärkung könnte man schon gebrauchen. Wie oft wünsche ich mir, das bestätigt zu bekommen, um das ich ringe.

Doch worum ringe ich eigentlich genau? Um die Liebe Gottes muss ich nicht ringen – die habe ich. Gott muss ich nicht imponieren, auch nicht mit Rechtgläubigkeit. Doch es wäre verkürzt, das Problem hier anzusiedeln. Zwar hört man manchmal das Argument, man setze auf Werkgerechtigkeit, wenn man sich bemüht, der Lehre zu folgen. Doch das ist Unsinn. Wer der Lehre folgen will, oder zumindest die meisten davon, tut das nicht, weil er Gesetze toll findet, sondern weil er Christus so antworten will, wie es richtig und angemessen ist. Das ist es, worum ich ringe: meine Antwort auf die Liebe Christi. Und da habe ich die Lehre in ihrer Schönheit kennen gelernt. Etwas zumindest.
Ich gebe es gern zu: nach dem theologischen Papst Benedikt war ich irritiert über den anderen Schwerpunkt, den Franziskus in seinem Pontifikat legt. So lange, bis ich merkte, dass ich ihn ständig durch den Filter meiner eigenen Erwartungen und Erkenntnisse wahrnahm. Ich stand mir selbst im Weg, auch wenn mir klar war, dass Papsttreue nicht heißt, einen Menschen und seine Art zu reden zu mögen, sondern sich dem Amt des Bischofs von Rom unterzuordnen. Und damit auch diesem Papst.
Inzwischen denke ich, dass er das Beste ist, was uns und gerade Deutschland passieren konnte. Und auch was mir passieren konnte: er bricht meine Denkstrukturen auf. Und ich muss zugeben, dass seine Worte genau das beschreiben, was die praktische Umsetzung der Lehre ist: gesendet sein, um den Menschen eine gute, DIE gute Nachricht zu bringen. Dazu treffen mich seine Worte immer wieder.

Wenn er Freude und Barmherzigkeit predigt, ist es einfach nicht die richtige Antwort, nach Fällen zu suchen, auf die das nicht passt. Möglichst unter den Heiligen, weil es ja nicht sein kann, dass der Papst etwas anderes predigt, als was die erfuhren. Es bringt nichts, ihm zu unterstellen, er wolle ein leichtes, lockeres, fröhliches und letztlich seichtes Christentum, das die Tiefe der Tradition und Lehre vernachlässige. Nichts von dem stimmt.
Wenn wir, die um eine liebevolle Antwort auf Christus ringen, nicht begreifen, dass die gute Nachricht eine Freudenbotschaft ist – wer soll es dann begreifen? Wenn diese Freude aus Glauben und Treue zur Lehre entspringt, unterstützt sie die Worte des Papstes dreimal. Ein Gegenargument ist das nicht.
Unsere Freude und unsere Liebe sind die einzigen Antworten, die den von den Medien aufgezwungenen Themen noch etwas entgegenzusetzen haben. In dieser Hinsicht trifft mich Papst Franziskus mit seinen Worten immer wieder. Ich kann das sehr gut gebrauchen und bin froh, dass er da ist und dass er ist, wie er ist.