Dienstag, September 16, 2014

Die Konservativen sind andere, und das ist schlimm!

[Von Bastian] Eine Trennungslinie, an die wir von Klein auf gewöhnt sind, trennt die Konservativen von den Progressiven. Das war nicht nur in der Politik so: spätestens seit dem 2. Vatikanischen Konzil lässt sich auch die Kirche so einteilen. Diese Trennungslinie wurde analysiert, zelebriert und für gesellschaftliche Entscheidungen extrapoliert. Langsam wurde sie an vielen Stellen zum Graben.
Auf beiden Seiten wurden Begriffe in Beschlag genommen, die heute so eng damit verknüpft sind, dass sie ohne entsprechende Assoziation kaum noch verwendbar sind. Frauenrechte z.B. werden nahezu immer mit dem linken politischen Lager verknüpft, Sicherheit dagegen fast automatisch mit konservativen Anschauungen. So hat sich im Laufe der Zeit ein sehr ausgefeiltes Gedankengebäude entwickelt, das seine Stärke darin hat, alles sofort einordnen und damit auch, je nach eigenem Standpunkt, sofort bewerten zu können. Auf dieser Welle schwimmt der größte Teil unserer Politik.
Doch dieses alte Gebäude ist marode geworden.

Plötzlich tauchen Gruppierungen auf, die nicht in diese Grenzen passen. Der Marsch für das Leben ist eine solche. Auch politisch wird es evident: eine neue Partei, die in kein Schema passt, hat mehr Erfolg, als erwartet. (Kein Wunder, dass sich die Demoskopen und Parteistrategen irren: auch sie extrapolieren anhand ihrer Umfragen das alte System.) Ich will dieser Partei in keiner Weise das Wort reden – sie ist für mich nur ein gut sichtbares Symptom dafür, was hier passiert: die alten Grenzen sind keine mehr.
Interessant ist: hier tut sich eine neue Trennungslinie auf, nämlich zwischen denen, die noch im alten Gedankenhaus leben, und denen, die inzwischen ausgezogen sind. Letztlich ist es wieder eine Trennung zwischen dem Gewohnten und dem Neuen. Und siehe da: all die „Progressiven“ des alten Systems finden sich jetzt auf der „konservativen“ Seite: den entsprechenden Politikern fällt kaum etwas anderes ein, als verzweifelt zu versuchen, ihre neuen Gegner mit Attributen des alten Systems zu belegen, sie irgendwie einzuordnen. Und da zitieren sie das herbei, was am besten zieht: Rechtsradikalismus. Lebensschützer und neue Parteien kommen angeblich alle aus demselben reaktionären Loch gekrochen. Medien und Politik sind geradezu geil auf jedes Zitat oder Satzbruchstück, das sich für die gewohnte und nach dem alten System korrekte Zuordnung verwenden lässt. Und niemand offenbart sich hier als konservativer im negativen Sinn als die Linken.
Doch warum hängt man so am alten System?

Einmal ist da die Gewohnheit. Die Gesellschaft, daran ist man einfach gewöhnt, bildet sich sofort selbst das gewünschte Urteil, sobald die notwendigen Schlüsselbegriffe fallen. Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, umweltschädlich, reaktionär: etwas in dieser Art als Attribut war lange Zeit das gesellschaftliche und vor allem politische Aus.
Zusätzlich jedoch wurde dieses Weltbild zu Machtzwecken ausgenutzt. Unliebsames wurde einfach entsprechend eingeordnet und mit verworfen. Das Gewicht des „Faschistischen“ hat lange Zeit eine Menge anderes mit in den Abgrund gezogen. Doch dabei wurde vergessen, auf die Mischung zu achten: zwischen dem, was wirklich und reflektiert verwerfenswert war, stieg der Anteil des Gefaketen, der Anteil dessen, was nur damit in Verbindung gebracht wurde, weil es weg sollte. Und jetzt erleben wir, dass das Gewicht des wirklich Schlechten nicht mehr ausreicht, diese Machtstrukturen zu erhalten. Plötzlich schwimmt der ganze Dreck wieder hoch, und diesmal ist es umgekehrt: das kritische Denken, das mit dem Dreck versenkt wurde, verhilft ihm jetzt zum Schwimmen. Fein durchmischt mit persönlich reflektierter Kritik taucht Antisemitismus auf. Frauenverachtung wird als Fortschritt gepriesen und Umweltschädlichkeit als Verschwörungstheorie abgetan.
Das Pendel schwingt zurück. An ihm klebt der ganze Dreck, in dem man es verankern wollte, auf dass es nie wieder schwinge. Und es trägt den Dreck geradewegs ins Lager derer, die ihn früher so verdammten.
Wir müssen aufpassen, denn leider sind auch wir Christen dagegen nicht gefeit.

Samstag, September 13, 2014

Irgendwie nett!

[Von Bastian]
Wir haben uns entschlossen, in unserem Gebetskreis gemeinsam die Entzücklika Evangelii Gaudium zu lesen.

Also bin ich auf die Website der DBK gegangen und dort auf die „Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls“. Dort habe ich erst einmal bemerkt, dass die DBK dasselbe Shopsystem verwendet wie ich. Habe mich gleich zuhause gefühlt.

Der vierte Artikel von oben war dann auch „Apostolisches Schreiben EVANGELII GAUDIUM von Papst Franziskus“. Kostenpunkt: 0,62€ pro Exemplar (wer macht solche Preise?!), incl. 7% MwSt., zzgl. Versand. Habe 6 davon in den Warenkorb gelegt und mich gleich dorthin geklickt.
Hier hieß es plötzlich: Einzelpreis: 0,00€, Gesamtpreis: 0,00€, zzgl. Versandkosten (anklickbar). Ein Klick auf die Versandkosten öffnete eine genaue Liste: es ist nach Gewicht gestaffelt. Da der Einkaufswagen hier weiterhalf („Gewicht: 1,818kg“) wusste ich: 5,06€.
Also zur Kasse. Dort wurde ich mit der Nachricht empfangen: Postversand innerhalb Deutschlands: 5,06€. OK, war zu erwarten.
Weiter zur Auftragsbestätigung. Kaufpreis 0, Versand 5,06€. „Die hier genannten Portogebühren geben Näherungswerte an und können nach unten abweichen.“ Spannend!
„Zahlungspflichtig bestellt“. Keine Zahlungsmöglichkeit, keine Möglichkeit, eine Rechnungs-adresse einzugeben. Der Auftrag wurde bestätigt.
36h später kommt ein Packet an: 6 wunderschöne Entzückliken. Keine Rechnung drin. Einfach so. Das nenne ich ein niederschwelliges Angebot!

Liebe DBK, Euren Shop könntet Ihr vielleicht bei Gelegenheit noch mal anschauen. Doch ansonsten: das ist wirklich Klasse! Wer kirchliche Texte lesen will, ist bei Euch gut aufgehoben: blitzschnell und günstig. Mehr Service kann man da nicht leisten - ich hoffe, dass viele Menschen das auch entdecken und bestellen! Vielen Dank!

Dienstag, September 09, 2014

Ich bin etwas geschockt.

[Ein Betroffenheitsbeitrag von Bastian]
Peter Winnemöller fragt in seinem Blog, wo man aus der ARD austreten könne (LINK). Grund: das Herumreiten auf den Reichtümern der Kirche, mit einem aus zwangsweise erhobenen Abgaben finanzierten Beitrag. Wieder einmal.
Und wie so oft möchte ich denen, die das alles durch ihre ganz spezielle Kirchenhasserbrille von außen betrachten, zurufen: schaut Euch das alles doch einmal von innen an! Riskiert es einmal, Eure Angst hinter Euch zu lassen, Eure Angst davor, dass die Welt anders sein könnte, als die Urteile, an die Ihr Euch klammert, Euch vormachen. Riskiert den Blick durch die Brille des Glaubens. Nicht, um ihn sofort anzunehmen, sondern erst einmal, um das zu verstehen, das Ihr glaubt bekämpfen zu müssen. Riskiert mal den Eintritt ins Innere der Kirche: dort findet Ihr eine ganz eigene Logik, die mit Weltfremdheit, spießiger Bürgerlichkeit oder gar Faschismus nichts zu tun hat.

Daher hat es mich schockiert, auf Facebook in einer explizit positiv katholischen Gruppe den Link zu einer faschistischen Website zu entdecken, die zu Gewalt gegen ausländische Mitbürger aufrief, sie als Feinde bezeichnete (und noch anders, was dem schlimmsten Vokabular der Nazizeit entfleucht schien und hier nicht wiederholt wird). Die (Gott sei Dank wenigen, aber zustimmenden!) Kommentare darunter hatten das Niveau von „Die sollen zurück zu ihren Kamelen“. Nun, ein paar Spinner gibt es immer. Ich habe daher den Beitrag an die Moderatoren gemeldet und kommentiert, dass ich das getan habe, weil da wohl jemand den Schuss nicht gehört hat. Und dass ich überlegte, Meldung an Facebook zu machen, wenn das so stehen bleibt. Die Reaktion kam zügig: ich wurde aus der Gruppe geworfen. Der Link jedoch wurde erst gelöscht, nachdem ein weiterer User sich zu Wort meldete.

Dass mich das auch wurmt, gebe ich unumwunden zu. Doch mehr noch schockiert es mich, dass hier alle Klischees über die ach so schlimme Kirche bedient werden: von der politischen Ansicht bis hin zum Versuch, das nicht wahrhaben zu wollen und lieber, mit Verlaub, das Naserümpfen verbieten anstatt die Scheiße zu entfernen, die den Gestank verursacht. Verlaub Ende.
Ich sehe wirklich großes Problem darin, dass so in all den heute nötigen Diskussionen die Glaubwürdigkeit fehlt. Der Islam wird für seine Extremisten kritisiert. Eine Diskussion darüber ist dringend nötig. Viele Diskussionen sind nötig. Und deshalb ist es schlimm, wenn zugleich Nazis in katholischen Gruppen gedeckt und Kritiker entfernt werden. Denn wer soll uns glauben, wenn wir genau das tun, was wir bei anderen kritisieren?

Natürlich kann man mir jetzt vorwerfen, dass ich hier ein persönliches Problem aufbausche und in ein Sachproblem umforme, um eine übertriebene Reaktion zu rechtfertigen. Hätte ich halt nicht so viel Wind gemacht. Oder ganz banal: der ist doch blos sauer. Ja, sauer bin ich. Und trotzdem ist es mir sehr ernst mit dem Problem der Glaubwürdigkeit.

Sonntag, August 31, 2014

Hinschauen?

[Von Bastian]
Wenn ich jemandem zeigen möchte, dass es Lichtquellen gibt – lasse ich ihn dann in die Sonne schauen? Nein, denn damit wäre nichts gewonnen. Zuviel Licht blendet, und ich sehe gar nichts mehr.

Genauso reagiere ich auf manche Bilder, die derzeit auf Facebook verbreitet werden. Bilder von Tötungen und bestialischen Folterungen. Sie blenden mich: da sehe ich nichts mehr. Da wird in mir keine Entschlossenheit wachgerufen, sondern nacktes Entsetzen und Angst.
Der erhobene Zeigefinger, den ich da sehr stark empfinde, nach dem Motto: wer das nicht weiß oder wissen will, verschließt die Augen vor den Tatsachen – dieser Zeigefinger wirkt auf mich wie die Meldung: ich komme selbst nicht damit klar.

Ich empfinde das Posten dieser Bilder als große Rücksichtslosigkeit. Bildern kann man sich nicht entziehen. Kollateralschäden inbegriffen: Wenn ich meinen Kindern etwas auf Facebook zeigen will, und beim Öffnen erscheint ein Mensch, der lebendig geröstet wird, ist ein Schaden entstanden, der schwer zu heilen ist.

Meine Hoffnung ist, dass Gott mir das gibt, was ich brauche, sobald ich es brauche. Auf Versuche, mir darüber hinaus „die Augen zu öffnen“, kann ich gern verzichten. Ich habe genug Quellen, aus denen ich weiß, was ab geht.

Auf Facebook werde ich künftig jedem, der Bilder oder Videos dieser Art postet, diesen Text schicken. Bei ausbleibender Reaktion wir er/sie sofort entfreundet.

Anteilnahme hat etwas mit der eigenen Kapazität zu tun, die nur ich selbst kenne und daher dosieren können muss - und Hinschauen heißt nicht gaffen.

Donnerstag, August 28, 2014

Ice Bucket Challenge – eine gute Sache im Sinne des Herrn?

[Von Bastian]
Facebook diskutiert intensiv über Ice Bucket Challenge.
Wasser habe nun einmal nicht jeder in ausreichender Menge. Lächerlich sei das Ganze. Peinlich dazu. Und die, die mitmachten seien oft gar keine Christen. Im Gegenzug wird auf die Spendenerfolge und auf das gesteigerte Wissen über ALS verwiesen: zweifellos gute Dinge.

Ich finde, die ganzen Diskussionen stehen auf sehr schwachen Beinen. Eine Unchristlichkeit vermag ich nicht zu erkennen. Die Argumente, die hier ausgetauscht werden, wären in jeder Comedy gut aufgehoben.

Wasserverschwendung (auf die Energieverschwendung zur vorherigen Wasserkühlung ist noch niemand gekommen)? Gerechnet auf den Liter dürfte das das bestbezahlte Wasser der Welt sein, wenn man von dem auf der ISS absieht. Keiner der Kritiker würde in einer finanziellen Notsituation darauf verzichten, einen Eimer Wasser umzuschmeißen, wenn er dafür Tausende bekäme. Und wenn er tatsächlich verzichten würde, wäre er reichlich dämlich. Solange es sich dabei nicht um die lebenswichtige Wasserration einer Karawane oder so handelt, ist da nichts einzuwenden. Für Handlungen rein aus Prinzip ist die EU zuständig, die dem sinnlosen Wasserverbrauch auf Klos einen Riegel vorzuschieben beginnt und die daher offenbar christlich ist.
ALS ist zu ernst für Späße? Vor lauter Mitgefühl soll die Forschung auf Geld verzichten. Lieber angemessen erst krank, als lustig einen Ausweg suchen. Das war schon immer christlich. Für manche zumindest.

Der Standpunkt legt nach: ist das nun Wasserverschwendung oder im Gegenteil gar christliche Hilfe? Das Helfen sei christlich, IceBC sei eine gute Sache. (LINK) Doch die im Artikel angeführte Christlichkeit halte ich für ebenso herbeigeredet.
Wasser sei ein wichtiges Symbol der christlichen Religion. Stimmt, doch das kratzt nur an der Oberfläche. Geht die Symbolik nicht viel tiefer? Handelt es sich beim Übergießen mit Wasser nicht um ein Symbol für die Taufe? Das wäre einmal auf Facebook zu stellen. Bald schon würde von mancher christlichen Seite mahnend die Stimme erhoben: vor den schlimmen Folgen einer solchen Verweltlichung des Taufsakraments muss gewarnt werden! Rom würde zum Handeln aufgefordert, weil unsere Bischöfe dazu schweigen.

Irgendwie macht es ja Freude, die ganzen Argumente zu lesen, aber es ist auch erschütternd. Sind wir Christen denn Hunde, die jedes Stöckchen holen, das geworfen wird? Es scheint so. Doch im Ernst: Nicht alles, was hilft und dazu Wasser braucht, ist deshalb christlich. Sonst müsste z.B. in Messen für die EU-Hilfe an spanische und griechische Landwirte gedankt werden. (Wäre vielleicht wirklich keine schlechte Idee, mal für all das zu danken, was wir haben. Das weitet das Herz den Blick. Vielleicht wird der nächste GAG dann weniger eng diskutiert.)

Mein Fazit: als PR-Aktion genial gelungen. Mitmachen werde ich nicht – ich mag kein kaltes Wasser, außer an heißen Tagen von innen.


P.S. Ich muss diesen Text ergänzen. Die Verwendung der Spendengelder für Forschungen, die unter anderem auch an embryonalen Stammzellen durchgeführt werden, steht im krassen Widerspruch zu einer christlichen Überzeugung.
Insofern bleiben meine Aussagen über die teils doch recht erheiternden Diskussionen bestehen. Allerdings würde ich selbst für diesen Zweck keinen Cent spenden und jedem dringend raten, es auch bleiben zu lassen.

Sonntag, August 17, 2014

Och nö, nicht schon wieder unwürdig sein!

7 Vorschläge für eine „würdige“ Messfeier werden präsentiert: Der amerikanische Blogger Pat Archbold macht sie (LINK). Dabei schlägt er, so denke ich, einen zweifelhaften Weg ein. Viel von dem, was da vorgeschlagen wird, stünde mir im Wege bzw. wäre für mich nett, aber oft auch überflüssig. Bin ich wieder einmal unwürdig?

Ich denke, Unterscheidung ist angesagt. Es gibt zwei Bereiche, die man nicht verwechseln darf.
Einmal ist es die Messe selbst, die die innigste Gemeinschaft Gottes mit Seiner Kirche und damit mit mir auf Erden darstellt. Sie ist Sein Wirken unter uns, das wir mitfeiern dürfen. Sie ist heilig. Wer sie ändert, vergreift sich am Heiligtum. Gott tut in dieser Feier alles, um zu uns zu kommen: wir sollten alles tun, um zu ihm zu kommen. Er ist unser Ziel in der Messe, nicht wir selbst. Wer daher beginnt, die Messe zu verändern, um sie irgendwie gefälliger zu machen, lenkt den Blick in die falsche Richtung, denn er ersetzt das Heilige durch das Menschliche und stellt sich so meinem Blick auf meinen Erlöser in den Weg.
Und dann ist da der große Bereich dessen, was ich tun kann, um diese Messe angemessen mitzufeiern. Auch hier gilt: nicht den Blick in die falsche Richtung lenken. Weder Sprache und Zelebrationsrichtung noch der Einsatz von Weihrauch, die Lieder oder die Kleidung der Mitfeiernden machen die Messe mehr zu Messe, das Opfer heiliger oder die Eucharistie eucharistischer. Als Ausdruck der Liebe zu Christus in der Messe mag das alles en wunderbares Mittel sein – als Voraussetzung für eine angemessene Messfeier ist es ungeeignet.

Das ist auch dann so, wenn ich ihm mit dem Begriff „Würde“ eine hohe Bedeutung gebe, denn wie sollte ich eine Messe angemessen mitfeiern, wenn ich es unwürdig mache?
All diese Vorschläge zum Thema Würdigkeit führen zu einem mit Bedacht vorgenommenen, formvollendeten Ritus. Doch wer sagt eigentlich, dass „würdig“ gleichzusetzen ist mit formvollendet, bedächtig und getragen? Die Sache kann ins Gegenteil umschlagen: in Formalismus. Denn dann wird vergessen, dass es letztlich Christus ist, der die Messe würdig macht, weil er sie überhaupt erst zur Messe macht. Die Würde der Messe ist Christus.

Wenn ich aus Ehrfurcht vor Christus und Seinem Opfer für mich in der Messe einen Anzug trage, ist das eine sehr gute Sache. Wenn ich den Anzug von anderen fordere, habe ich etwas nicht kapiert. Wenn ich ein großes Hochamt voll Farben, Gesten, Musik und Weihrauch genieße, weil es ein (sicher immer noch klägliches) Abbild der Herrlichkeit ist, die Gott darstellt, ist es lobenswert. Wenn ich als Ästhet andere Messen gering schätze, suche ich das Falsche.
Glaube lässt sich nicht andressieren. Wie Benedikt XVI sagte: letztlich kommt es auf die Freundschaft mit Christus an. Freundschaft ist Liebe in Freiheit. Genauso, wie man eine Freundschaft verliert, wenn man über die ganze Freiheit den Freund vergisst, kann man sie unter einem Haufen Anforderungen ersticken.

Zwei Dinge sollten in der Messe sicher gestellt sein: dass die Messe „richtig“ gefeiert wird und dass jeder ihr angemessen folgen kann.
Für das erste ist der Priester zuständig: er soll all das tun, was rot geschrieben ist, und all das sagen, was schwarz geschrieben ist. Dann ist es, soweit ich weiß, korrekt.
Für das zweite bin ich zuständig: mein Benehmen und mein Äußeres sollen angemessen sein und niemanden ablenken oder peinlich berühren. Ich sollte ruhig sein, um niemanden zu stören. Kurz: ich sollte mich bemühen, die Messe mit zu tragen, und nicht zu behindern. Aber das war es dann auch.

Ich liebe in der Messe die Versammlung um den Altar und den Blick auf das Geschehen darauf, das in meiner Sprache gesprochene Hochgebet und viele Lieder, darunter etliche neue, und brauche nicht jedes Mal Weihrauch. Das ist in Ordnung und hindert mein Glaubensleben in keiner Weise: es sind meine Eigenheiten, die für niemanden verbindlich sind und für die ich niemandem Rechenschaft schulde, außer Gott.

Bin ich jetzt unwürdig? Ja, das bin ich, und ich weiß es. Ich bin wegen meiner Sünden unwürdig vor Gott. Das ist mein Kummer und meine Freude über meine Rettung zugleich. Unwürdigkeit in den Augen derer, die anderen erklären wollen, was wirklich würdig ist, ist hingegen unwichtig. Sie tut allerdings weh, denn sie reist unnötige Gräben auf und verletzt.

Die 7 Vorschläge sind daher für mich grenzwertig. Sie beschreiben eine schön gefeierte Messe, keine Frage, doch die Intention scheint darüber hinaus zu gehen. Doch auch sie beschreiben keine bessere Messe, machen Gott nicht göttlicher und daher auch Menschen nicht würdiger, denn Gott ist die Würde des Menschen.

Samstag, August 09, 2014

Ich bin ein Tollpatsch – was für eine Art Trottel bist Du? Hier geht’s zum Test.

Dafür geben Firmen Unsummen aus: zu wissen, was man uns wie verkaufen kann. Denn Daten sind Geld, und meine Daten sind mein Geld. Wer mich kennt, weiß, wie er mich ansprechen muss. Und wer das weiß, kommt leichter an mein Geld und an meine Stimme. Soweit die Theorie.
Leider stimmt die in diesem Fall mit der Praxis überein: Ich bin zwar oft dumm, aber so dumm, zu glauben, ich sei nicht manipulierbar, bin ich denn doch nicht. Die Gefahr besteht. (Viele Menschen glauben zwar, sie seien gegen Werbung und andere Manipulation immun, doch das ist schon der erste Irrtum, dem sie aufgesessen sind und ein Erfolg der Werbung.)

Im Internet bieten sich den Werbenden ganz neue Möglichkeiten: man kann einzelne Personen gezielt ansprechen. Das geht über die Auswahl der Produkte hinaus: der eine will forsch angesprochen sein, der andere eher zurückhaltend. Der eine liebt den gesellschaftlichen Kontext, der andere ist Einzelgänger. Sehnt man sich nach Erfolg, Geld oder Ruhe? Legt man mehr Gewicht auf Gesundheit oder auf den Kitzel des Risikos? Bitte, lieber Internetuser, gib uns deine Daten, und zwar so, dass wir sie gleich nach unseren elektronischen Schablonen auswerten können. Am besten, du füllst uns gleich ein paar Fragebögen aus, die deinen Typ auswertbar beschreiben.
Wie kann die Werbebranche herausfinden, wie ich ticke, und zugleich ganz harmlos daher kommen? Der derzeitige Trick ist einfach. Man postet die Typenfragen, die man gerne beantwortet haben möchte, und hängt als Bonbon eine kleine Auswertung dran: was für ein Unwetter bist Du, was für eine Person aus der Geschichte, was für ein Hund, welche Farbe oder wer aus Downton Abbey. Dazu verraten wir dir noch deinen vermeintlichen IQ, dein geistiges Alter und deine Lebenserwartung. Und weil wir uns mit der IP nie ganz sicher sind, wer da gerade am Rechner sitzt, kannst du deine Ergebnisse auf Facebook posten. Jetzt wirst Du Werbung bekommen, die zu dir passt und die du daher gar nicht als aufdringlich empfinden wirst.

Blöd, wie ich bin, habe ich selbst ein paar dieser Tests mitgemacht, bis mir auffiel, dass die eigentlich gar nicht lustig sind, außer natürlich für die Auswerter. Wer da mittut, braucht sich über Datenklau bei Google nicht mehr aufzuregen, denn er liefert die Daten freiwillig: ein nettes kleine Persönlichkeitsprofil samt Facebokkidentität und damit faktisch samt Namen und Adresse.

Hier also mein selbst geschriebenes(!) Trottel-Testergebnis:
„Du bist im Umgang mit Deiner Person zu sorglos. Dass du trotzdem nur ein mittelschwerer Trottel bist, liegt daran, dass du noch eine gewisse Lernfähigkeit beweist. Du bist wie jemand, der aus Versehen Dinge umwirft, um sie hinterher etwas unbeholfen wieder gerade zu rücken: ein Tollpatsch.“

Auf Facebook habe ich begonnen, so ziemlich jeder Werbung mit „passt nicht zu mir“ zurück zu weisen. Seitdem bekomme ich in erster Linie Einladungen zu Seniorentreffs – damit kann ich leben. Und die wiederholte Google-Suche nach Urlaubsorten und der Natur in Norwegen beschert mir immer wieder schöne Landschaftsaufnahmen, wo mir früher Freude am Fahren nahe gelegt wurde. Eindeutig eine Verbesserung. Und zugleich der Beweis, dass man genau weiß, wer ich bin…